Oberflächenveredelung für Kunststoffteile

Verfahren zur Oberflächenveredelung im Überblick

Die Oberfläche eines Kunststoffteils beeinflusst weit mehr als nur das Erscheinungsbild. Sie entscheidet über Haptik, Kratzfestigkeit, UV-Beständigkeit, Chemikalienbeständigkeit und die langfristige Funktion eines Bauteils. Je nach Anwendung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz – von werkzeugfallenden Oberflächenstrukturen über Lackierungen und Bedruckungen bis hin zu Laserbeschriftungen oder In-Mould Decoration (IMD).

Bereits während der Konstruktion sollte die gewünschte Oberflächenqualität berücksichtigt werden. Materialwahl, Werkzeugausführung und Fertigungsverfahren bestimmen maßgeblich das spätere Erscheinungsbild und die Wirtschaftlichkeit der Serienfertigung.

VerfahrenVorteileTypische Anwendungen
Werkzeugfallende StrukturKeine Nachbearbeitung, wirtschaftlichGehäuse, Sichtteile
LackierungSchutz und hochwertige OptikAutomotive, Medizintechnik
Soft-Touch-LackAngenehme HaptikBedienelemente
LeitlackEMV- und ESD-SchutzElektronikgehäuse
TampondruckLogos und BeschriftungenBedienfelder
LaserbeschriftungDauerhaft und abriebfestTastaturen, Typenschilder
LasertexturierungIndividuelle StrukturenDesign- und Funktionsflächen
IMDDekor direkt im SpritzgussHMI, Automotive
PVDMetallische OberflächeDesigngehäuse

Welche Oberfläche eignet sich für welche Anwendung?

AnforderungEmpfehlung
KratzfestIMD
HochglanzSPI A1
MattVDI 27
Gute HaptikSoft Touch
EMVLeitlack
MetalloptikPVD
BeschriftungLaser
LogoTampondruck

Werkzeugfallende Oberflächen

Die wirtschaftlichste Möglichkeit zur Gestaltung von Kunststoffteilen ist die werkzeugfallende Oberfläche. Dabei wird die gewünschte Struktur direkt in das Spritzgusswerkzeug eingebracht und bei jedem Spritzzyklus auf das Bauteil übertragen.

Je nach Anforderung können matte, strukturierte oder hochglänzende Oberflächen realisiert werden. Da keine nachträgliche Bearbeitung erforderlich ist, eignet sich dieses Verfahren besonders für wirtschaftliche Serienproduktionen.

Durch den gezielten Wechsel zwischen strukturierten und polierten Bereichen entstehen kontrastreiche und ästhetisch ansprechende Designoberflächen. Zudem kaschiert eine Oberflächenstruktur auch Unregelmäßigkeiten wie Fließnähte, Bindenähte, Einfallstellen die beim Kunststoff-Spritzguss auftreten können.

Vorteile

  • Große Auswahl an VDI- und SPI-Strukturen
  • Keine zusätzliche Nachbearbeitung
  • Wirtschaftliche Serienfertigung
  • Gleichbleibende Oberflächenqualität
  • Hohe Kratzunempfindlichkeit bei strukturierten Oberflächen
Kunststoffteil mit strukturierter Oberfläche durch werkzeugfallende Oberflächenveredelung im Spritzguss
VDI 3400Eigenschaften
VDI 12–18fein
VDI 21–30Standardstruktur
VDI 33–45grobe Struktur
SPIBeschreibung
AHochglanz
BFeinschliff
CMatt
DStruktur
  • Die VDI 3400 wird von der Gesellschaft Deutscher Ingenieure festgelegt und umfasst 45 verschiedene Texturstufen mit unterschiedlichen Rauheitsgraden. Die Klassen sind nummeriert (z.B. VDI 12), wobei niedrigere Zahlen eine glattere Oberfläche und höhere Zahlen eine gröbere Textur darstellen.
  • Die SPI-Normen unterteilen Oberflächen in vier Hauptkategorien (A, B, C, D), die wiederum in spezifische Unterkategorien unterteilt sind (z.B. SPI A-1, A-2, A-3). Diese Klassifizierung basiert auf der Oberflächengüte, die durch unterschiedliche Polierverfahren erreicht wird. A-Grade-Oberflächen sind hochglänzend, während D-Grade-Oberflächen strukturiert, matt sind.

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Lackierung von Kunststoffteilen

Durch eine Lackierung lassen sich Kunststoffteile optisch und funktional aufwerten. Neben nahezu beliebigen Farben können auch besondere Eigenschaften wie Kratzfestigkeit, UV-Beständigkeit oder eine angenehme Soft-Touch-Haptik erzielt werden. Spezielle Leitlacke ermöglichen zudem einen EMV- oder ESD-Schutz für elektronische Anwendungen.

Vorteile

  • EMV- und ESD-Schutz durch Speziallacke
  • Hochwertige Optik
  • Individuelle Farbgestaltung
  • Erhöhte UV- und Chemikalienbeständigkeit
  • Soft-Touch- oder Metallic-Effekte

Soft-Touch Lackierung

Die Soft-Touch-Lackierung verleiht Kunststoffteilen eine weiche, samtartige Oberfläche und sorgt für eine besonders hochwertige Haptik. Neben der optischen Aufwertung verbessert die Beschichtung das Griffgefühl und vermittelt eine angenehme, rutschfeste Oberfläche. Je nach Lacksystem können zusätzlich die Kratzfestigkeit sowie die Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und haushaltsüblichen Reinigungsmitteln verbessert werden.

Soft-Touch-Lacke kommen vor allem dort zum Einsatz, wo Bedienkomfort, Design und Wertigkeit im Vordergrund stehen.

Leitlacke

Eine Leitlack-Beschichtung verleiht Kunststoffteilen elektrisch leitfähige Eigenschaften und ermöglicht einen zuverlässigen Schutz vor elektromagnetischen Störungen (EMV) sowie elektrostatischen Entladungen (ESD). Hierzu werden spezielle Lacke mit leitfähigen Füllstoffen wie Silber, Kupfer, Nickel oder Kohlenstoff auf die Bauteiloberfläche aufgebracht.

Da Kunststoffe von Natur aus elektrisch isolierend sind, wird die Leitlack-Beschichtung insbesondere bei Elektronikgehäusen eingesetzt, um empfindliche elektronische Komponenten vor elektromagnetischen Einflüssen zu schützen oder elektrostatische Aufladungen kontrolliert abzuleiten.

Kunststoffteile mit unterschiedlichen Oberflächenveredelungen wie Lackierung, Struktur und Beschichtung für industrielle Anwendungen

Bedruckung von Kunststoffteilen

Kunststoffformteile lassen sich mit verschiedenen Druckverfahren dauerhaft und hochwertig kennzeichnen oder gestalten. Zu den am häufigsten eingesetzten Verfahren zählen Tampondruck, Siebdruck und Digitaldruck. Sie ermöglichen die Aufbringung von Logos, Symbolen, Skalen, Beschriftungen, Warnhinweisen oder dekorativen Grafiken.

Das am weitesten verbreitete Verfahren für dreidimensionale Kunststoffteile ist der Tampondruck. Dabei wird das Druckmotiv zunächst in ein Stahl- oder Polymerklischee eingearbeitet und anschließend mithilfe eines elastischen Silikonstempels auf das Bauteil übertragen. Durch die hohe Flexibilität des Silikonstempels lassen sich neben ebenen Flächen auch konvexe, konkave oder leicht strukturierte Oberflächen präzise bedrucken.

Die Wahl des geeigneten Druckverfahrens richtet sich unter anderem nach der Bauteilgeometrie, der Stückzahl, den Anforderungen an Abrieb- und Chemikalienbeständigkeit sowie der Anzahl der Druckfarben.

Für die Farbgestaltung können nahezu alle gängigen Farbsysteme verwendet werden, beispielsweise RAL, Pantone, NCS oder individuelle Farbmuster.

VerfahrenVorteileEinsatz
Tampondruckauch auf 3D-FlächenLogos
Siebdruckhohe DeckkraftFrontfolien
Digitaldruckkleine Serienindividuelle Designs

Tampondruck

Der Tampondruck ist eines der am häufigsten eingesetzten Verfahren zur Kennzeichnung von Kunststoffteilen. Das Druckbild wird von einem Klischee mithilfe eines elastischen Silikonstempels auf das Bauteil übertragen. Dadurch lassen sich auch gewölbte oder strukturierte Oberflächen präzise bedrucken.

Siebdruck

Beim Siebdruck wird die Farbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf die Oberfläche übertragen. Das Verfahren zeichnet sich durch eine hohe Farbschichtdicke, ausgezeichnete Deckkraft und eine hohe Abriebfestigkeit aus. Es eignet sich besonders für ebene oder leicht gewölbte Kunststoffteile.

Digitaldruck

Der Digitaldruck ermöglicht die direkte Bedruckung von Kunststoffteilen ohne Druckwerkzeuge oder Klischees. Dadurch können individuelle Designs, wechselnde Motive oder kleine Losgrößen wirtschaftlich realisiert werden. Besonders bei Prototypen und personalisierten Produkten bietet das Verfahren hohe Flexibilität.

Laser-Beschriftung

Bei der Laserbeschriftung werden Beschriftungen oder Symbole dauerhaft mittels Laser in die Oberfläche eingebracht. Je nach Material entstehen kontrastreiche Markierungen ohne zusätzliche Farben oder Etiketten. Die Beschriftung ist dauerhaft abriebfest sowie beständig gegenüber Chemikalien und UV-Strahlung.

Vorteile

  • Dauerhafte Kennzeichnung
  • Abrieb- und chemikalienbeständig
  • Hohe Präzision
  • Keine Verbrauchsmaterialien
  • Seriennummern und QR-Codes möglich
Kunststoff Drehteile und Bedienelemente für Geräte und Automotive

Lasertexturierung

Bei der Lasertexturierung werden feinste Strukturen direkt in die Werkzeugoberfläche eingebracht. Dadurch entstehen dekorative oder funktionale Oberflächenstrukturen, die während des Spritzgießens dauerhaft auf das Kunststoffteil übertragen werden. Selbst komplexe Muster oder individuelle Designs lassen sich präzise realisieren.

Vorteile

  • Höchste Strukturgenauigkeit
  • Individuelle Designs
  • Verschleißfreie Werkzeugstruktur
  • Gleichbleibende Serienqualität
  • Keine Nachbearbeitung erforderlich

IMD (In-Mould Decoration)

Beim In-Mould Decoration-Verfahren wird eine bedruckte Dekorfolie bereits während des Spritzgießprozesses dauerhaft mit dem Kunststoff verbunden. Dekor und Schutzschicht bilden anschließend eine Einheit. Dadurch entstehen besonders hochwertige Oberflächen mit ausgezeichneter Kratz-, UV- und Chemikalienbeständigkeit.

Vorteile

  • Dekor bereits im Spritzguss integriert
  • Sehr hohe Kratzfestigkeit
  • UV- und Chemikalienbeständigkeit
  • Hinterleuchtbare Symbole (Dead Front)
  • Hochwertige Designoberflächen
IMD Kunststoffteile mit integrierter Dekorfolie und hochwertiger Oberfläche für industrielle Anwendungen
IMD Kunststoffteil mit Dead-Front Effekt und integrierter Touch-Oberfläche für moderne HMI-Bedieneinheiten

PVD-Beschichtung

Die PVD-Beschichtung (Physical Vapor Deposition) verleiht den Bei der PVD-Beschichtung (Physical Vapor Deposition) wird im Vakuum eine extrem dünne Metallschicht auf die Kunststoffoberfläche aufgebracht. Dadurch entstehen hochwertige metallische Oberflächen mit hoher Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit, ohne die Vorteile eines leichten Kunststoffbauteils zu verlieren.

Vorteile

  • Edle Metalloptik
  • Hohe Kratzfestigkeit
  • Korrosionsbeständig
  • Geringes Bauteilgewicht
  • Verschiedene Metallic-Farbtöne
PVD-beschichtete Kunststoffteile mit metallischer Oberfläche und hoher Verschleißbeständigkeit

Die richtige Oberflächentechnik frühzeitig festlegen

Die Auswahl der passenden Oberflächentechnik sollte bereits in der Entwicklungsphase erfolgen. Sie beeinflusst nicht nur das Erscheinungsbild eines Kunststoffteils, sondern auch dessen Haptik, Funktion, Beständigkeit und Fertigungskosten. Je nach Anforderung kommen werkzeugfallende Strukturen, Lackierungen, Druckverfahren oder spezielle Beschichtungen zum Einsatz. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Konstruktion, Materialauswahl und Fertigung stellt sicher, dass Design, Funktion und Wirtschaftlichkeit optimal aufeinander abgestimmt sind.

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