Checkliste für die Konstruktion von Kunststoffteilen

Konstruktion vor der Werkzeugfreigabe prüfen

Bevor ein Kunststoffteil in den Werkzeugbau übergeht, sollte die Konstruktion systematisch überprüft werden. Bereits kleine Optimierungen können Werkzeugkosten reduzieren, die Prozesssicherheit erhöhen und eine wirtschaftliche Serienfertigung ermöglichen.

Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Konstruktionsregeln übersichtlich zusammen und dient als Orientierung für Entwickler und Konstrukteure.

Alle aufgeführten Themen – von Wandstärken, Rippen, Schraubdomen und Entformung über Werkzeugbau, Toleranzen und Oberflächen bis hin zu Design for Manufacturing (DFM) – werden in diesem Konstruktionsleitfaden ausführlich erläutert. Nutzen Sie die Checkliste als schnellen Überblick und die einzelnen Kapitel als vertiefende Informationsquelle für die optimale Auslegung Ihrer Kunststoffteile.

1. Bauteilgeometrie

  • Sind die Wandstärken möglichst konstant ausgeführt?
  • Wurden Materialanhäufungen konsequent vermieden?
  • Sind Wandstärkenübergänge weich ausgeführt?
  • Entsprechen Innen- und Außenradien den Konstruktionsrichtlinien?
  • Wurden Kerbwirkungen durch scharfe Kanten vermieden?

2. Rippen und Verstärkungen

  • Beträgt die Rippenstärke ca. 40–60 % der angrenzenden Wandstärke?
  • Überschreitet die Rippenhöhe nicht das Dreifache der Wandstärke?
  • Sind Rippen mit ausreichenden Radien ausgeführt?
  • Sind Rippen ausreichend entformt?

3. Schraubdome

  • Sind Schraubdome hohl ausgeführt?
  • Wurden Domwandstärken an die Bauteilwand angepasst?
  • Sind Schraubdome über Rippen abgestützt?
  • Wurden Materialanhäufungen vermieden?

4. Entformung

  • Besitzen alle senkrechten Flächen ausreichende Entformung?
  • Sind strukturierte Oberflächen mit größerer Entformung ausgelegt?
  • Können alle Bereiche ohne Beschädigung entformt werden?

5. Werkzeug

  • Ist eine einfache Trennebene möglich?
  • Sind unnötige Hinterschneidungen vermieden?
  • Sind Schieber und Kernzüge auf das notwendige Maß reduziert?
  • Ist der Anspritzpunkt sinnvoll positioniert?
  • Können alle Bereiche ausreichend gekühlt werden?

6. Material

  • Passt der Werkstoff zur mechanischen Beanspruchung?
  • Wurde das Schwindungsverhalten berücksichtigt?
  • Sind Temperatur- und Medienbeständigkeit ausreichend?

7. Maße und Toleranzen

  • Sind Funktionsmaße eindeutig definiert?
  • Wurden nur funktionsrelevante Maße eng toleriert?
  • Sind Passungen und Dichtflächen realistisch ausgelegt?
  • Wurde die Werkstoffschwindung berücksichtigt?
  • Sind die geforderten Toleranzen prozesssicher erreichbar?
  • Wurden kritische Maße mit dem Werkzeugbau abgestimmt?

8. Oberfläche

  • Wurde die gewünschte Oberflächenqualität festgelegt?
  • Sind Druck- oder Sichtflächen entsprechend ausgelegt?
  • Wurde die erforderliche Entformung für strukturierte Oberflächen berücksichtigt?

9. Serienfertigung

  • Ist das Bauteil montagegerecht konstruiert?
  • Wurden Werkzeugkosten und Zykluszeit berücksichtigt?
  • Ist das Bauteil DFM-gerecht ausgelegt?

Abschlusskontrolle

Eine systematische Konstruktionsprüfung vor der Werkzeugfreigabe reduziert technische Risiken und schafft die Grundlage für eine wirtschaftliche Serienfertigung. Werden die wesentlichen DFM-Prinzipien konsequent berücksichtigt, lassen sich Werkzeugkosten, Zykluszeiten und Ausschuss nachhaltig reduzieren.

Engineering-Tipp von N&H: Die wirtschaftlichste Werkzeugänderung ist die, die bereits in der Konstruktionsphase vermieden wird. Nutzen Sie diese Checkliste als festen Bestandteil Ihres Entwicklungsprozesses, um Fehler frühzeitig zu erkennen und die Grundlage für eine stabile und wirtschaftliche Serienfertigung zu schaffen.

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